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Anhänger-Führerschein: Alles zur Klasse BE
4. Mai 2020
Regularien

Anhänger-Führerschein: Alles zur Klasse BE

Die meisten Autofahrer kommen im Alltag nicht so häufig mit Anhängern in Berührung. Wenn dann allerdings doch ein Anhänger gezogen werden muss, herrscht oft Ratlosigkeit: Welche Hänger dürfen mit dem regulären Führerschein für PKW gezogen werden und für welche benötigt man den Anhängerführerschein oder sogar eine Fahrerlaubnis für LKW? Wir erklären dir die Regelungen, erläutern das Prozedere beim Erwerb des BE-Führerscheins und zeigen dir auf, welche Alternativen du zum Führerschein für Anhänger hast.

Was kann man mit dem Führerschein B ziehen?

Bereits mit dem regulären PKW-Führerschein der Klasse B erlangst du das Recht, bestimmte Anhänger mit deinem Auto zu ziehen. Welche das sind, ist in erster Linie vom zulässigen Gesamtgewicht des Gespanns abhängig, das sich aus dem zulässigen Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs sowie dem des Anhängers zusammensetzt. Das zulässige Gesamtgewicht gibt an, wie viel das entsprechende Fahrzeug inklusive Beladung maximal wiegen darf. Welche Werte für ein spezielles Fahrzeug gelten, steht im Fahrzeugschein.

Grundsätzlich gilt für passende Kombinationen in Bezug auf die Führerscheinklasse B: Erlaubt ist eine Kombination aus einem Zugfahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und einem Anhänger, dessen zulässiges Gesamtgewicht bei 750 Kilogramm liegt. Eine Sonderregel kann dann greifen, wenn der Anhänger eine zulässige Gesamtmasse von über 750 Kilogramm aufweist. Solche Anhänger darfst du nur ziehen, solange die Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger die zulässige Gesamtmasse von 3,5 Tonnen nicht übersteigt.

Wichtig zu beachten ist auch, dass das Zugfahrzeug für den jeweiligen Anhänger ausgelegt sein muss. Eine falsche Kombination von PKW und Hänger stellt eine Gefährdung des Straßenverkehrs dar, verändert das Fahrverhalten des Gespanns negativ und kann sowohl Auto als auch Anhänger beschädigen.

Wofür benötigt man einen BE-Führerschein?

Für alle Kombinationen, die eine höhere zulässige Gesamtmasse aufweisen, benötigst du einen Anhängerführerschein der Klasse BE. Dieser berechtigt dich, ein Auto und einen Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von 7 Tonnen zu nutzen. Dein PKW darf auch dabei die 3,5 Tonnen nicht übersteigen, was bedeutet, dass der Anhänger ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen aufweisen darf. Gerade für Wohn-, Pferde-, Boots- oder Abschleppanhänger ist der BE-Führerschein meistens notwendig, da nicht das Leergewicht, sondern das zulässige Gesamtgewicht maßgeblich ist.

Mit der Mercedes G-Klasse kannst du locker einen Pferdeanhänger ziehen (Bild: Daimler)

Ohne diesen „Hängerführerschein“ kann es unter Umständen ganz schön teuer für dich werden. Überladene Anhänger sind ein großes Unfallrisiko, weshalb der Gesetzgeber in dieser Hinsicht auch absolut keinen Spaß versteht. Je nach Grad der Überladung steigt dabei das fällige Bußgeld und sogar ein Punkt auf deinem Punktekonto in Flensburg droht dir.

Dazu kann dich ein zu schwerer Anhänger im Falle eines Unfalls deinen Versicherungsschutz ganz oder teilweise kosten und du kannst wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis belangt werden. Im schlimmsten Fall kann das Ziehen eines Anhängers ohne den entsprechenden Anhängerführerschein sogar eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen.

Im europäischen Ausland sind die Geldstrafen dazu teilweise noch einmal deutlich höher als in Deutschland und gehen in einigen Fällen in den vierstelligen Bereich. Wenn du also einen schweren Anhänger oder eine schwere Kombination von Auto und Anhänger bewegen musst, solltest du in jedem Fall auf Nummer sicher gehen und den entsprechenden Führerschein BE machen.

Falls du dir unsicher bist, ob du eine Kombination aus PKW und Anhänger mit deinem Führerschein der Klasse B bewegen darfst, hilft dir ein Blick in die Papiere, wo das zulässige Gesamtgewicht ausgewiesen ist. Landest du mit beiden Werten zusammen über den 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, benötigst du einen Anhängerführerschein.

Wie bekommst du den Führerschein für Anhänger?

Den Anhängerführerschein bekommst du ganz normal in deiner Fahrschule. Das Mindestalter für die Fahrerlaubnis BE beträgt 17 (mit einer Begleitperson im Fahrzeug) beziehungsweise 18 Jahre. Wenn du bereits im Vorfeld weißt, dass du schwere Anhänger ziehen musst, kannst du den Führerschein BE theoretisch mit dem regulären PKW-Führerschein zusammen machen.

Dabei musst du allerdings bedenken, dass du zunächst die Prüfung für die Autofahrerlaubnis erfolgreich abgeschlossen haben musst, bevor du mit der Anhängerprüfung beginnen kannst. Außerdem lassen sich die Sonderstunden vom Auto nicht für den Hängerschein anrechnen. Somit hast du keinerlei Zeitersparnis und bist möglicherweise durch die doppelte Prüfung eher gestresst.

Falls du bereits den B-Führerschein besitzt, lässt sich der Führerschein für Anhänger auch bequem später machen. Eine separate Theorieprüfung gibt es für den Anhängerführerschein nicht, allerdings muss eine praktische Prüfung abgelegt werden. In dieser wird neben deinem Fahrvermögen auch das An- und Abkuppeln des Hängers geprüft.

Bei der Prüfung für die Klasse BE muss drei Mal über Land gefahren werden (Bild und Titelbild: VW)

Vor der Prüfung musst du eine festgelegte Anzahl an Sonderstunden absolvieren. Diese sind im Einzelnen:

  • eine Autobahnfahrt von einer Stunde

  • eine Nachtfahrt von einer Stunde

  • eine Überlandfahrt von drei Stunden

Wie viele zusätzliche reguläre Übungsstunden du benötigst, liegt im Ermessen deines Fahrlehrers. In der insgesamt 45-minütigen Prüfung musst du nachweisen, dass du die Sicherheitsvorkehrungen kennst und beherrschst. Während der mindestens 25-minütigen Fahrzeit weist du unter anderem nach, dass du mit dem Anhänger rückwärts um eine Ecke nach links fahren kannst.

Die Kosten für den BE-Führerschein richten sich daher nach deinen Lernfortschritten und können dazu je nach Stadt, Region oder Fahrschule unterschiedlich sein. Insgesamt kannst du von einem mittleren dreistelligen bis hin zu einem niedrigen vierstelligen Betrag ausgehen. Die Gebühren für die Prüfung liegen dabei zwischen 70 und 100 Euro. Es bietet sich in jedem Fall an, Preise zu vergleichen, da diese teilweise sehr stark variieren.

Welche Alternativen gibt es?

Je nach Anhängertyp und geplanter Beladung hast du unter Umständen Alternativen zur Führerscheinklasse BE. Welcher Führerschein für dich in Frage kommt, richtet sich nach dem zu erwartenden Gesamtgewicht der Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger.

Führerscheinklasse B für leichte Anhänger

Überschreitet das Gespann aus Zugfahrzeug und Anhänger nicht die zulässige Gesamtmasse von 3,5 Tonnen, kannst du auf einen Anhängerführerschein verzichten. Insbesondere die Kombination PKW und Wohnanhänger überschreitet das erlaubte Gewicht allerdings schnell. Daher solltest du im Zweifelsfall sichergehen und in deinen Papieren kontrollieren, wie hoch die Summe der zulässigen Gesamtmasse ist.

Führerscheinklasse B96 für eine Gesamtmasse bis 4,25 Tonnen

Seit 2013 kannst du deinen normalen B-Führerschein um die Schlüsselzahl 96 erweitern. Diese erlaubt es dir, ein Auto inklusive Anhänger zu fahren, die zusammen eine zulässige Gesamtmasse von bis zu 4,25 Tonnen aufweisen. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass der PKW nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen darf. Die Schlüsselzahl 96 bekommst du, wenn du eine Schulung absolviert hast. Diese besteht aus zweieinhalb Stunden Theorie, dreieinhalb Stunden Praxisübungen und einer Stunde Fahrpraxis im Straßenverkehr. Die Kosten für den erweiterten Führerschein B96 liegen je nach Region und Fahrschule zwischen 300 und 500 Euro.

Führerscheinklasse 3 (bis 1999)

Glück haben jene Autofahrer, die ihren Führerschein vor 1999 gemacht haben. Die damals gängige Führerscheinklasse 3 erlaubte nicht nur das Führen eines PKW (wie heute die Klasse B), sondern auch das Ziehen eines Anhängers über 3,5 Tonnen, sofern das zulässige Gesamtgewicht der Zugmaschine 7,5 Tonnen nicht übersteigt. Das gesamte zulässige Gewicht des Gespanns darf dabei bis zu 12 Tonnen betragen. Seit der Reform von 1999 wird der Führerschein der Klasse 3 allerdings nicht mehr ausgestellt.

LKW-Führerschein für Gespanne mit einer Gesamtmasse über 7 Tonnen

Für Fahrzeugkombinationen aus Zugfahrzeug und Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse über 7 Tonnen benötigst du einen LKW-Führerschein. Auch hier wird allerdings unterschieden zwischen 

  • Klasse C: Für Zugmaschinen mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen (LKW) in Kombination mit einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 750 Kilogramm.

  • Klasse C1: Für Zugmaschinen mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen (leichte LKW) in Kombination mit einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 750 Kilogramm.

  • Klasse CE: Für Zugmaschinen der Klasse C in Kombination mit einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 750 Kilogramm.

  • Klasse C1E: Entweder für Zugmaschinen der Klasse C1 in Kombination mit einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 750 Kilogramm oder für Zugmaschinen der Klasse B in Kombination mit einem Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen. Die Gesamtmasse beider Kombinationen darf 12 Tonnen an zulässiger Gesamtmasse nicht übersteigen.

Lohnt sich der Anhängerführerschein für dich?

Auch wenn ein BE-Führerschein je nach Schulungsverlauf durchaus ins Geld gehen kann, lohnt er sich, wenn du regelmäßig Anhänger bewegen musst, die nicht durch deinen regulären B-Führerschein abgedeckt sind. Während man für eine Fahrt vielleicht noch einen Freund oder ein Familienmitglied als Fahrer rekrutieren kann, holt man das Geld für den Anhängerführerschein bei stetigen Fahrten schnell wieder rein. Ohne den richtigen Anhängerführerschein riskierst du unter Umständen hohe Geld- oder sogar Freiheitsstrafen und zusätzlich Probleme mit deiner Versicherung.

Insbesondere Wohnanhänger, Pferdehänger oder Transportanhänger für PKW sind häufig schwerer als die 750 kg, die mit dem regulären B-Führerschein erlaubt wären, weshalb du schnell in die Situation kommst, einen Anhängerführerschein zu benötigen. Gleichzeitig kontrolliert die Polizei regelmäßig Autofahrer, die einen Anhänger ziehen, da es hier häufig zu falscher Beladung oder fehlenden Papieren kommt und unsachgemäß bewegte oder beladene Hänger ein großes Unfallrisiko darstellen.

Je nachdem, welchen Anhänger du nutzen willst, könnte der Zusatzschlüssel B96 eine kosten- und zeitsparende Alternative für dich sein. Allerdings gilt auch hier, dass du im Zweifel immer die zulässige Gesamtmasse deines Gespanns im Auge behalten musst. Mit dem Anhängerführerschein bist du daher auf der sicheren Seite, wenn du regelmäßig oder zumindest häufiger größere Anhänger mit einem PKW bewegen willst.

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