1. Startseite
  2. Autoteile & Technik
  3. AdBlue: So wird Diesel sauber, aber auch teurer
AdBlue: So wird Diesel sauber, aber auch teurer
6. Juli 2022
Autoteile & Technik

AdBlue: So wird Diesel sauber, aber auch teurer

Wer einen modernen Diesel fährt tankt doppelt: Das Auto benötigt Kraftstoff und eine Flüssigkeit namens AdBlue. Damit der Motor startet und das Auto fährt, genügt theoretisch Diesel – am Prinzip „Selbstzünder“ hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel geändert. An seiner Abgasreinigung aber schon. Denn diese benötigt zwingend die Harnstofflösung AdBlue, damit der Motor aktuelle EU-Abgasnormen erfüllt. In der Praxis verweigert der Motor den Dienst, wenn die Sensorik einen leeren AdBlue-Tank meldet. Die Software verhindert den Motorstart.

Aber was genau ist AdBlue? Warum ist die Substanz essenziell wichtig für den Betrieb moderner Diesel? Wie reduziert sie Schadstoffe? Enthält sie wirklich Urin? Und warum steigt der Preis grade so drastisch an und wird es wohl auch weiter tun? Die Antworten gibt’s hier:

So wirkt AdBlue gegen Stickoxide

„AdBlue“ ist der Verkaufsname eines Stoffes, der Abgase reinigt. Es handelt sich dabei um eine wässrige Harnstofflösung, also eine Mischung aus Harnstoff und Wasser. Der Verband der Automobilindustrie hat sich die Marke AdBlue schützen lassen. In anderen Ländern hat der gleiche Stoff unterschiedliche Namen, zum Beispiel AUS32, DEF oder ARLA32.

Um den Sinn hinter AdBlue zu verstehen, musst man auch eine wichtige Eigenheit des Dieselmotors verstehen: Er generiert bauartbedingt während seines Betriebes Stickoxide (NOX), vor allem Stickstoffdioxid (NO2). Das liegt nicht per se am schwereren Treibstoff. Denn der Diesel-Motor verbrennt ihn sehr effizient. Die entstehenden Gase sind ein direktes Ergebnis dieser effizienteren Verbrennungsart und des besseren Verbrauchs von Dieselmotoren (im Vergleich zu Benzinern). Leider handelt es sich dabei um Gase, die die Atemwege reizen. Für Allergiker und lungenkranke Menschen können Stickoxide gefährlich werden.

Es ist technisch/physikalisch nicht möglich die Produktion von Stickoxiden während der Verbrennung derart zu reduzieren, dass ihr Anteil an den Abgasen in einen ungefährlichen Bereich fällt. Jedenfalls nicht ohne die zentralen Vorteile des Diesels wieder wettzumachen und einen hohen Verbrauch zu riskieren. Folglich muss die Abgasnachbehandlung dafür sorgen, Stickoxide aus den Abgasen herauszufiltern oder umzuwandeln. Verschiedene Hersteller haben unterschiedliche Ansätze ausprobiert. Dazu gehört zum Beispiel die Abgasrückführung.

Der nachhaltigste, effektivste und effizienteste Weg ist die Einbringung der Harnstofflösung AdBlue in die Abgase. Sie wandelt dort Stickoxide zu ungefährlichen Chemikalien um. Bildlich gesprochen wäscht das AdBlue die Stickoxide aus den Abgasen. Fachlich lautet das “selektive katalytische Reduktion”. Man orientiert sich in der Fachwelt aber am englischen Begriff und spricht vom SCR-Katalysator.

Darum springt ein Diesel ohne AdBlue nicht an

Auspuff-Emissionsmessung an einem Diesel-Fahrzeug: Gehört zu jeder HU (Bild: iStock)

Moderne Abgasvorschriften legen sehr geringe Maximalwerte für den Stickoxid-Ausstoß fest. Diese Werte können Dieselmotoren ohne Zugabe von AdBlue nicht mehr erreichen. Zum Teil benötigen sie sogar eine mehrfache AdBlue-Einspritzung, um sauber genug zu sein. Im Pkw-Bereich gibt es derzeit kein Diesel-Fahrzeug, das ohne AdBlue seine Abgasvorgaben erfüllen würde.

Andersherum bedeutet das: Ein Diesel, der eigentlich mit SCR-Katalysator ausgestattet ist, aber kein AdBlue mehr im Tank hat, kann seine Abgaswerte nicht erfüllen. Seine Zulassung ist aber von den Abgaswerten abhängig für die Betriebserlaubnis. Folglich darf er ohne nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr fahren – ähnlich wie ein Auto, bei dem jemand nachträglich den Katalysator entfernt hat. Wer trotzdem damit fährt, hinterzieht de facto Steuern.

Um zu garantieren, dass ihre Diesel stets sauber sind, bauen die Hersteller eine Schutzschaltung ein. Hat das Auto kein AdBlue mehr im Tank, springt es nicht an. Keine Sorge: Es warnt rechtzeitig, wenn der Füllstand zu gering wird. Rund 2.000 Kilometer vor dem Ende des Vorrats erscheint eine Mitteilung im Bordcomputer. Und keine Angst: Das Auto schaltet sich nicht einfach aus, wenn der AdBlue-Tank leer ist. Das wäre gefährlich! Nach dem nächsten Stopp lässt es sich jedoch nicht mehr starten.

AdBlue tanken: So füllst du AdBlue auf

Die Größe des AdBlue-Zusatztanks unterscheidet sich von Modell zu Modell. Üblich sind Größen zwischen acht und 30 Litern bei Pkws. Je nach Fahrweise und Motorleistung kann eine Tankfüllung bis zur nächsten jährlichen Inspektion reichen. Unter Umständen musst du dich also gar nicht um AdBlue kümmern – Deine Service-Werkstatt füllt den Tank auf.

Andererseits ist es kein Problem selbst AdBlue zu tanken. Du kannst die begehrten blauen Plastikkanister in Tankstellen, Werkstätten, Baumärkten und beim Kfz-Fachhandel kaufen und manchmal sogar in größeren Supermärkten. Dort gibt es verschiedene Größen; üblich sind zwei bis zehn Liter Inhalt. Tipp: Im Fachhandel sind spezielle Befüllschläuche für AdBlue erhältlich, die mit einem Druckausgleich ausgerüstet sind. Das hilft beim Einfüllen. Noch besser: Manche Tankstellen und Werkstätten haben AdBlue-Zapfsäulen. Mit ihnen vermeidest du Kunststoffmüll und lästiges Schleppen.

An welcher Stelle sich bei deinem Auto der Einfüllstutzen zum AdBlue-Nachfüllen befindet, erfährst du im Handbuch. Bei einigen Fahrzeugen befindet sich der Stutzen dafür noch im Kofferraum. Die meisten modernen Autos haben den AdBlue-Einfüllstutzen direkt neben dem Diesel-Stutzen, unter der Tankklappe. Verwechselungsgefahr besteht nicht. Die Diesel-Zapfpistole passt nicht in den AdBlue-Stutzen und der AdBlue-Schraubdeckel ist in der Regel leuchtend-hellblau angemalt.

Das Tust du, wenn du mit AdBlue gekleckert hast

Ein solcher Plastik-Stutzen hilft bei der Ad-Blue-Befüllung - kostet wenige Euros. (Bild: iStock)

Große AdBlue-Kanister können unhandlich sein. Beim Tanken ohne Hilfe tropft es gern mal daneben. Keine Sorge: AdBlue ist nicht giftig. Dennoch kann die Lösung Augen, Haut oder Atemwege reizen – aber nicht so sehr, dass du beim Tanken Handschuhe tragen müsstest. Trotzdem: Falls du beim AdBlue tanken kleckerst, solltest du die betroffenen Stellen gründlich und mit viel Wasser abspülen.

Ist etwas auf dein Auto getropft, beseitige die Flecken auf die gleiche Art. Wenn AdBlue lange genug einwirkt, können bleibende Spuren auf Lacken und Kunststoffen zurückbleiben. Bestimmte Metalle rosten unter Umständen schneller. Das kann am unteren Rand des Tankdeckels schon mal passieren. Wisch das AdBlue also zügig und gründlich weg.

AdBlue ist kein Urin

Wir müssen hier leider enttäuschen: Bei dem Begriff „wässrige Harnstofflösung“ könnte man auf die Idee kommen, einen leeren AdBlue-Tank mit „körpereigenen Flüssigkeiten“ aufzufüllen – die Bestandteile von Urin sind recht ähnlich. Das funktioniert allerdings nicht. Denn AdBlue besteht in einem Verhältnis von etwa 2:1 aus destilliertem Wasser und purem Harnstoff. Menschlicher Urin enthält maximal vier Prozent Harnstoff.

Am Tag scheidet ein Mensch also nur ein paar Milliliter Harnstoff aus – nicht genug, um Dieselabgase zu reinigen. Schlimmer ist eher, dass sich im Urin andere Stoffe befinden, zum Beispiel klebrige Proteine oder Reste von Medikamenten. Wir haben es nicht ausprobiert, aber die gehören nicht in einen SCR-Katalysator. Urin kann AdBlue nicht ersetzen, aber es gibt gewisse chemische Ähnlichkeiten. Was allerdings auch für viele andere Stoffe gilt, denn Harnstoff ist eine der weltweit meisthergestellten Chemikalien. Hauptsächlich für die Düngemittel-Produktion.

Preise: Darum wird AdBlue immer teurer

Auch neue LKW benötigen inzwischen Ad-Blue Zusatztanks (links im Bild). (Bild: iStock)

Seit Ende 2021 steigt der Preis für AdBlue rapide an. Allein im ersten Quartal 2022 hat sich der Preis beinahe versechsfacht: Statt 13 Euro zu Jahresbeginn kosten 100 Liter drei Monate später 76 Euro und steigend. Das ist für Endkunden aus mehreren Gründen kritisch. Denn nicht nur die eigene Mobilität wird dadurch teurer. Auch Lieferanten aller Art, mit (vornehmlich) Dieselfahrzeugen müssen ihre Preise anheben. Das merken dann auch Personen, die keinen Diesel fahren.

Wie vieles aktuell, hängt die Preisentwicklung von AdBlue mit dem steigenden Erdgaspreis zusammen. Schon vor Kriegsbeginn in der Ukraine verknappte Russland die Erdgaslieferungen und sorgte damit für Preissteigerungen. Erdgas wird bei der Herstellung von Ammoniak gebraucht, das wiederum für AdBlue benötigt wird. Der Chemiekonzern BASF gibt in einer Pressemeldung an, die Ammoniakproduktion aus Gründen der Wirtschaftlichkeit gedrosselt zu haben. Folglich wird weniger AdBlue hergestellt.

Tatsächlich ist AdBlue zeitweise mancherorts nicht zu bekommen. Das liegt aber zum Großteil an Hamsterkäufen, aus Angst vor einer langanhaltenden AdBlue-Knappheit – vergleichbar mit Nudeln und Toilettenpapier während der Corona-Pandemie. In Anbetracht der hohen AdBlue-Preise lohnen sich Hamsterkäufe ohnehin nicht. Besser ist: Den AdBlue-Tank regelmäßig auffüllen, wenn der Preis halbwegs stimmt und jetzt so lange wie möglich auf bessere Zeiten warten, wenn man schon einen vollen Tank hat. Dafür solltest du vorher die Kosten vergleichen. Der ADAC empfiehlt außerdem, eine kleine Reserve AdBlue zu Hause zu lagern. Die Betonung liegt hier auf klein!

Fachwissen: Stickoxide im Dieselmotor und Vorgänge im SCR-Katalysator

Ein SCR-Kat im Betrieb (eng. für: "Selective Catalytic Reduction"). Die Heizspiralen sind gut zu erkennen. (Bild: Bosch)

Hohe Stickoxidwerte sind eine technisch-bedingte Nebenwirkung des Kampfes um niedrige Verbräuche. Hersteller müssen ihre Motoren immer sparsamer werden lassen. Folglich spritzen sie nur so viel Kraftstoff ein, wie unbedingt nötig ist. Der verteilt sich aber nicht homogen im Brennraum, sondern etwas ungleichmäßig. Das Ergebnis: An einigen Stellen verbrennt mehr Diesel mit wenig Luft. Dabei entsteht Ruß. An anderen Stellen verbrennt weniger Diesel mit viel Luft. Hier entstehen Stickoxide.

Der Hintergrund: Die sauerstoffreiche (in Fachkreisen: „magere“) Verbrennung ist heißer als eine reguläre Verbrennung. Dabei entstehen Temperaturen, die den Stickstoff (N2) der angesaugten Luft mit dem Sauerstoff (O2) reagieren lassen. Bei dieser Reaktion entstehen Stickoxide (NO2, NO3, NO4, etc., zusammengefasst: NOX).

Die chemische Formel von AdBlue lautet H2N-CO-NH2. Dieser Stoff reagiert in den warmen Abgasen zunächst zu Ammoniak (NH3). Das wiederum reagiert mit den Stickoxiden (NOX) und den Kohlenstoffen (C) zu Wasser (H2), Stickstoff (N2) und Kohlendioxid (CO2). Aus dem lungenschädlichen Gas werden so Stoffe, die ohnehin in hoher Konzentration in Atmosphäre oder Umwelt vorkommen.

Fazit

AdBlue ist eine Mischung aus Harnstoff und Wasser, welche die Stickoxide aus den Abgasen von Dieselmotoren filtert. Sie ist nötig, um die Abgasnormen einzuhalten. Ein Betrieb des Autos mit leerem AdBlue-Tank ist nicht möglich. Beachte beim Auffüllen, dass die Flüssigkeit sowohl Haut als auch Autolack angreifen kann. Aufgrund gestiegener Produktionskosten ist es ebenfalls rapide im Preis gestiegen. Wir empfehlen dir regelmäßiges Nachtanken bei günstigen Preisen und die Lagerung einer kleinen Reserve zu Hause.

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

27. September 2022

Keyless Go: Funktion und Schutz vor Diebstahl

Auto Keycard: Die schlüssellose Zentralverriegelung Keyless Go bringt Komfort, aber auch Risiken. Das musst du wissen:

Weiterlesen
31. August 2022

Stromsparend Fahren: So fährst du das E-Auto weiter

Umweltfreundlicher fahren und dabei Geld sparen: So fährst du stromsparend mit dem E-Auto und maximierst die Reichweite.

Weiterlesen
** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Mit Klick auf "Akzeptieren" erteilst du uns deine Einwilligung, dass wir deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details).

Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten.

Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen. Willst du keine Einwilligung erteilen, dann klick bitte .

Details anzeigen